25.7.2015
21:30
FILM

MINOR BORDERS

Ein Wald, ein LKW-Parkplatz, ein Hafen. Es ist schwer, Bilder und Töne zu finden für die Grenzregionen Europas, diese Nicht-Orte, die Reisende ohne passende Dokumente ihrer Identität berauben und zu gesichtslosen Geistern in einem Zwischenreich machen. Fünf europäische FilmemacherInnen erzählen von Versuchen der Grenzüberschreitung zu Wasser und zu Land. Sie finden Wahrhaftigkeit, in der Grauzone zwischen Fiktion und Dokumentation.

Unter dem CODEWORT KOZO öffnet sich an allen Spieltagen von no/more comfort bereits ab 21:00 Uhr die hauseigene Komfortzone zur Pflege von Bedürfnissen und Befindlichkeiten.

Filmlänge 82 min Filmgespräch Eileen Hofer (MY HONEYMOON, Regie) • Lisbeth Kovacic (MINOR BORDER, Regie) • DIETER BEHR (Aktivist, Afrique Europe Interact) • EDITH MEINHART (Journalistin, profil) Moderation Melanie Letschnig

MINOR BORDER

Lisbeth Kovacic • Österreich 2015 • 25 min • OmeU

Ein Bagger demontiert einen Grenzübergang. Während sich im Bild die Balken biegen, entspinnt sich im Off ein Gedankenaustausch über die vermeintliche Bewegungsfreiheit in Zeiten von Schengen. Darüber, ob und inwiefern Demarkationslinien auch nach Abriss ihrer architektonischen Manifestationen fortbestehen. Eine subtile Ortserkundung im dokumentarischen Grenzland von Fakt und Emotion. (Diagonale)

MINOR BORDER visualisiert eine Grenzregion Europas und findet Bilder und Töne für diese Nicht-Orte. Der Film zeigt den Abbau der traditionellen Grenzanlagen zwischen Österreich und Ungarn und macht gleichzeitig die neue, unsichtbare Abschottungslinie erfahrbar. Lisbeth Kovacic hinterfragt durch ihre Herangehensweise das europäische Grenzregime und seine dahinterliegende Politik. MINOR BORDER wurde 2015 bei der Diagonale mit dem Preis für den besten Kurzdokumentarfilm ausgezeichnet.

lisbeth.klingt.org

SprecherInnen Adrienn Kiss, Arif Hussain, Hans-Paul Limbeck, Meena Miakhel, Richard Pfann & Sareeye Mohamed Konzept Lisbeth Kovacic Kamera Juri Schaden & Lisbeth Kovacic Schnitt Lisbeth Kovacic Ton Dieter Kovacic, Juri Schaden, Lisbeth Kovacic, noid & Oliver Brunbauer Sound Design Oliver Brunbauer Musik Matija Schellander Produktion Lisbeth Kovacic
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MY HONEYMOON

Eileen Hofer • Schweiz 2014 • 4 min • eOmfU

Im Jahr 2013 kamen 11.600 Asylsuchende nach Bulgarien, einem der ärmsten Länder Europas. Die meisten von ihnen waren aus Syrien geflüchtet. MY HONEYMOON handelt von einem kurzen zufälligen Zusammentreffen der Filmemacherin Eileen Hofer mit Berivan und ihrem Mann.

www.eileenhofer.ch

Konzept Eileen Hofer Kamera Kamen Kalev Schnitt Eileen Hofer Ton Eileen Hofer Musik Lad Agabekov Produktionsleitung Eileen Hofer Produktion 5 to five team production
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SHIPWRECK

Morgan Knibbe • Niederlande 2014 • 15 min • OmeU

Am 3. Oktober 2013 sinkt ein Boot, auf dem sich 500 Flüchtlinge aus Eritrea befinden. Über 360 Menschen ertrinken vor der Küste der italienischen Insel Lampedusa. Abraham, einer der Überlebenden, geht durch einen Friedhof von Schiffswracks und erinnert sich an die albtraumhafte Erfahrung. Währenddessen werden am Hafen hunderte Särge auf ein Militärschiff geladen.

Ungewöhnlich poetisch und zugleich bedrückend eindringlich dokumentiert SHIPWRECK ein großes Problem unserer Zeit: die hoffnungslose Situation von Bootsflüchtlingen, die es an Land schaffen – während viele ihrer Freunde und Familienmitglieder im Meer bleiben. Ohne einzugreifen gleitet die Kamera von Morgan Knibbe zwischen den Schiffen, zwischen den Menschen hindurch. Sie gleitet über die Gesichter italienischer PolizistInnen, JournalistInnen und Einheimischer, die ihre Blicke hinter spiegelnden Sonnenbrillen verbergen, als schämten sie sich ihres eigenen Voyeurismus.

SHIPWRECK wurde 2014 auf dem Internationalen Filmfestival von Locarno mit dem silbernen Leoparden für den besten Kurzfilm ausgezeichnet und wurde Teil des längeren Dokumentarfilms THOSE WHO FEEL THE FIRE BURNING, der noch im selben Jahr auf dem Internationalen Dokumentarfilmfestival Amsterdam Premiere feierte.

www.workofmork.nl

Konzept Morgan Knibbe Kamera Morgan Knibbe Schnitt Morgan Knibbe Musik Carlos Dalla-Fiore Produktion Jos de Putter
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MIRAMARE

Michaela Müller • Kroatien/Schweiz 2009 • 8 min • kein Dialog

Meeresrauschen, schreiende Möwen, das Klacken von Sandalen … Im Animationsfilm MIRAMARE wird mit einer impressionistischen Tonspur und wenigen Pinselstrichen eine Strandszenerie entworfen. Der Film wirft einen Blick auf das Leben an den mediterranen Grenzen Europas, wo TouristInnen sich entspannen wollen, während „illegale“ ImmigrantInnen um eine Chance auf ein besseres Leben kämpfen. Als zwei Kinder einer Schweizer Familie aus der streng abgegrenzten Touristenzone ausbrechen, lernen sie schnell, dass die Realität an diesem Ort nicht viel mit dem Leben auf dem Campingplatz zu tun hat. In der Nacht dann fegt ein Sturm über Strand und Gelände. Absperrungen und Grenzen werden zunichte gemacht und für einen Moment herrscht Gleichheit in einer ungleichen Welt.

Die Schweizerin Michaela Müller, die in Zagreb studierte, ist ursprünglich Malerin und vereint in MIRAMARE ihr Können mit der filmischen Animation. Für ihren Diplomfilm malte sie virtuos mit breitem Pinsel über 5.000 Bilder chronologisch auf eine Glasplatte und wurde dafür vielfach mit Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Grand Prix Animateka 2010.

www.triboje.com

Drehbuch Michaela Müller Animation Michaela Müller Kamera Michaela Müller Sound Design Fa Ventilato Musik Fa Ventilato Produktion Michaela Müller Hochschule Academy of Fine Arts University of Zagreb
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AMONG US

Clément Cogitore • Frankreich 2011 • 30 min • OmeU

Armin, ein junger illegaler Immigrant hat sich gerade einer Gruppe anderer Illegaler, die in einem Wald campen, angeschlossen. Untertags leben sie im Verborgenen. Gesichtslos, sprachlos, identitätslos lassen sie sich durch den Tag treiben. Des Nachts versuchen sie sich in die Werft zu schleichen, um als blinde Passagiere unter einem der LKWs Platz zu finden. PARMI NOUS erzählt vom Grenzenüberschreiten: Der Grenze zwischen BürgerInnen und Nicht-BürgerInnen, der Grenze zwischen Realität und Metapher und der Grenze zwischen den Lebenden und den Toten.

Nach seinem Studium an der ESAD (Ecole Supérieure des Arts Décoratifs) in Straßburg und am Le Fresnoy Studio für Moderne Kunst begann Clément Cogitore, eine eigene Form aus Video- und Konzeptkunst zu entwickeln. Wenn Clément Cogitore Filme macht, ist er dabei immer gleichzeitig Künstler und Filmemacher. Auch diese Grenze verläuft in AMONG US fließend.

clementcogitore.com

Originaltitel PARMI NOUS Mitwirkende Murat Subasi, Maurad Saad & Khalifa Natour Drehbuch Clément Cogitore Kamera Sylvain Verdet Schnitt Isabelle Manquillet Ton Antoine Corbin Sound Design Antoine Corbin, Julien Ngo-Trong & Vincent Cosson Musik Bruno Droux & Olivier Bombarda Produktion Jean-Christophe Reymond
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