Mi 8.6.2016
21:00
FILM

ART VISUALS & POETRY ON TOUR • OPEN AIR KURZFILMSCREENING UND FILMGESPRÄCH

Filmpoesie und Gespräche unter dem Sternenhimmel – von japanischen Haikus über die Lyrik Friedrich Nietzsches bis zu den PreisträgerInnen 2015. Mit einem stimmungsvollen Gastspiel beim WIR SIND WIEN.FESTIVAL 2016 startet dotdotdot heuer einen Monat früher in die Open-Air-Kinosaison.

Im Gedicht steckt das Wort „dicht“. Und in seiner Dichte wiederum entfaltet sich die besondere Kraft des Kurzfilms. Beides – die Dichtung und die Dichte – spielen im Poesie- oder Textfilm zusammen, der Klangwelten der Wortkunst mit der visuellen Kraft des Kinos verbindet. Von der dichterischen Dichte angetan, laden dotdotdot und das ART VISUALS & POETRY Filmfestival, das sich unter der Leitung von Sigrun Höllrigl seit 2012 der visualisierten Literatur widmet, zu einem sinnlich-eloquenten Kurzfilmscreening im schönsten Garten im 8. Bezirk.

Vor Filmbeginn werden jene Filme präsentiert, die am Nachmittag im Poetry-Film-Workshop HOW TO HAIKU (IN VIDEO) entstanden sind. Das Spektrum des Filmprogramms reicht also von der Kürzestdichtung in der traditionellen japanischen Haiku-Form, die im Zeitalter der zeichenbeschränkten Tweets geradezu wie eine Erfindung der digitalen Generation erscheint, bis zur zeitgenössischen Adaption der Lyrik von Friedrich Nietzsche. Ein besonderes Highlight ist der Film AUS DEM AUGE, Kollaboration des österreichischen Filmemachers Matthias Zuder und der österreichischen Schriftstellerin Valerie Fritsch. Andrea Eckert liest das stilistisch reduzierte Porträt eines Nicht-Orts, der seine Bestimmung niemals erfüllte: das NS-Prestigeprojekt Seebad Prora auf Rügen. AUS DEM AUGE wurde von der Jury mit dem ART VISUALS & POETRY Filmpreis 2015 ausgezeichnet.

Programm: 62 min. Alle Filme werden in deutschsprachiger Originalfassung oder mit deutschen Untertiteln gezeigt. Filmgespräch mit Claudia Dermutz (BLICKE), Oleksandra Stehlik (WIEN SURREAL), Sigrun Höllrigl und Hubert Sielecki (ART VISUALS & POETRY) im Anschluss an die Filmvorführung.

Volkskundemuseum Wien • Laudongasse 15-19 • 1080 Wien • anzeigen in Stadtplan Wien
Bei Schönwetter im Garten (Open Air), bei Schlechtwetter im Großen Saal im 1. Stock.

Eintritt frei!

THE AEGEAN OR THE ANUS OF DEATH

Eleni Gioti • Griechenland 2014 • 7:30 min • OmeU

Ein geheimnisvoller Mann erscheint an verschiedenen Orten Athens, an denen während der letzten Jahre rassistische Übergriffe stattgefunden haben. Warum gibt er Anweisungen, wie man eine Rettungsweste benutzt? Wen will er aus dem „Anus des Todes“ retten? Eleni Giotis Film ist ein poetischer Anschlag auf die aktuelle Ausbreitung faschistoider Ideen in Griechenland.

Schauspiel Laberouk Sprecher Iasonas Panagiotopoulos Drehbuch Eleni Gioti & Jazra Khaleed Literaturvorlage Jazra Khaleed Kamera Alexis Iosifidis Schnitt Eleni Gioti Sound Design Iasonas Theofanou Musik Iasonas Theofanou
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SAUBER

Kuesti Fraun • Deutschland 2015 • 1 min

Vom Gefühl „nicht gewollt oder erwünscht“ zu sein, sich trotzdem oder gerade deswegen in eine Gemeinschaft an- und einpassen zu müssen, in der es oftmals nur darum geht möglichst „sauber“ da zu stehen. „Entzauberung“ eines deutschen Worts.

Kuesti Fraun (*1976) ist ein mehrfach preisgekrönter freier Filmemacher und Autor und lebt in Berlin und Düsseldorf. Teilnahme an Film – und Videofestivals weltweit seit 1999.

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MOERDER, HOFFNUNG DER FRAUEN

GRAF+ZYX • Österreich 2015 • 7:15 min

Miteinander verknüpfte, optisch und akustisch raumfüllende, frei-assoziative Ketten konstruktiver, kon­kret-poetischer Video- und Animationsloops zu Oskar Kokoschkas Stück MOERDER, HOFFNUNG DER FRAUEN: Beziehungskrisen, zeitgenössisch interpretiert.

Tanz: Esther Balfe, Michael Dolan, Nina Kripas, Mani Obeya, Anna Palastanga, Daphne Strothmann, Paul Wenninger. Choreografie: Liz King (Tanztheater Wien, 1998).

Inge Graf (*Wien)
Ausbildung am Institut für Heimerziehung, Dipl., Politikwissenschaft und Publizistik an der Universität Wien. Seit 1977 Fotografie und Film. 1980–1985 Universität für angewandte Kunst in Wien (Meisterklasse Prof. Oberhuber), 1985 Dipl. Mag. art.

Walter Zyx (*Wien)
Ausbildung in klassischer Violine in Wien. Indische Musik am Instituto Canneti (Dilruba bei Acharya Manfred Junius), Vicenza, Italien. Psychologie und Philosophie an der Universität Wien. Elektronische Musik und Musikproduktion. Seit 1980 experimentelles Video.

GRAF + ZYX betreiben in NÖ die private Medienkunsthalle grafzyx tank mit Ausstellungen, Performances und Filmschauen.

grafzyx.at

Konzept GRAF+ZYX Literaturvorlage Oskar Kokoschka Animation GRAF+ZYX Kamera GRAF+ZYX Schnitt GRAF+ZYX Produktion GRAF+ZYX
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HELD DER SOLDAT

Rüdiger Rohde • Österreich 2015 • 2 min

Krieg – wer ist dabei? Eine kleine hämische Replik von Rüdiger Rohde – Video, Foto, Medien-Installation, Geschichte & Politik, Blogger.

www.bollwerk.co.at

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MILDERNDER UMSTAND

Beate Gördes • Deutschland 2014 • 2:10 min

„Das Stichwort „Atomarer Winter“ projizierte vor meinem inneren Auge das Urbild für radioaktiven Niederschlag (Fallout) nach einer Kernwaffenexplosion – einer menschenleeren Landschaft wo es nichts gibt als Natur, Wind, Asche und Radioaktivität.“ (Beate Gördes)

Beate Gördes (*1961) studierte 1987–1992 Freie Kunst und Malerei an der FH Köln. Seit 1985 regelmäßige Ausstellungen und Beteiligungen im In- und Ausland. Zahlreiche Teilnahmen an Internationalen Kurzfilmfestivals.

beategoerdes.kulturserver-nrw.de

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Ü ÜÜ Ü

Clara Wieck • Deutschland 2014 • 3:15 min

Illusion, Kollaps, Trauer. Nach dem Gedicht und Dada-Manistfest „Karawane“ von Hugo Ball.

Clara Wieck studierte Ethnologie, Indologie und Kommunikations- und Medienwissenschaft an den Universitäten Tübingen und Leipzig mit Auslandsaufenthalten in Indien. Studium an der HGB Leipzig in der Fachklasse für Expanded Cinema. Teilnahme an der Werkleitz Professional Media Masterclass und den Berlinale Talents. Sie ist Mitglied der Filmischen Initiative Leipzig (FILZ) und lebt und arbeitet in Leipzig.

Literaturvorlage Hugo Ball
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VIVA VIOLENCE

Katharina Merten • Deutschland 2014 • 3 min

VIVA VIOLENCE verhandelt einen produktiven Gewaltbegriff: die Fähigkeit fantastischen Erlebens, die Wahrnehmung selbst bereits als Gewalt, kraft derer man man die Welt bewältigt und gestaltet.

Katharina Merten lebt als Künstlerin in Leipzig. Ihre Arbeiten behandeln soziale, politische und historische Aspekte der Populärkultur. Seit 2012 arbeitet sie an der Schnittstelle zwischen Bildender Kunst, Literatur mit Projekten wie Volte Studio, Initiative Wort und Bild, ANACONDA and Heroes.

www.katharinamerten.de

Literaturvorlage Johanna Maxl
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AUS DEM AUGE

Matthias Zuder • Österreich 2013 • 10:30 min

Eine Kamerafahrt führt durch einen schier endlosen Korridor. Aus dem Off – es liest Andrea Eckert – wird der Gebäudekomplex kontextualisiert. „Der Krieg ist die Kultur der Vernichtung“, heißt es einmal. Als Erholungsort sollte das unvollendete NS-Prestigeprojekt, das in seiner Gigantomanie den faschistischen Wahnsinn erahnen lässt, zu dieser „Kultur“ beitragen. 20.000 deutsche Arbeiter sollten im Seebad Prora auf Rügen – auf 5 Kilometern Länge und Zimmern mit Meeresblick – Erholung finden. Das reduzierte Porträt eines Nicht-Orts, der seine Bestimmung niemals erfüllte. AUS DEM AUGE wurde mit dem ART VISUALS & POETRY Filmpreis 2015 ausgezeichnet.

Valerie Fritsch (*1989 in Graz) studierte an der Akademie für angewandte Photographie. Sie ist als Schriftstellerin und Fotokünstlerin tätig. Zuletzt erschien bei Suhrkamp ihr Roman „Winters Garten“.

Matthias Zuder (*1985) studierte Filmregie in Wien, und schloss sein Studium an der Hamburg Media School ab. Internationale Auszeichnungen für Kurzfilme.

Sprecherin Andrea Eckert Literaturvorlage Valerie Fritsch
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VEREINSAMT

Simon Reichel • Deutschland 2014 • 3:30 min

Nietzsche schrieb dieses Gedicht 1884, kurz vor seinem geistigen und körperlichen Niedergang. Spricht er hier prophetisch über sich selbst, literarisch über Goethes FAUST (wie einige Akademiker vermuten) oder universell über die nackte Angst in jedem von uns, irgendwann einen lebensbestimmenden Fehler zu machen? Hans-Maria Darnov spielt auf beeindruckende Weise jede und zugleich keine dieser Rollen, bleibt ganz er selbst und wird doch zum Symbol unser aller Dämonen.

Simon Reichel ist als Regisseur, Fotograph und Maler Autodidakt. Neben seiner Heimatstadt München arbeitet er hauptsächlich in London und lebt derzeit der nordspanischen Stadt Gijon. Er ist Teil des internationalen Regieduos A Common Future.

Schauspiel Hans-Maria Darnov Literaturvorlage Friedrich Nietzsche
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BLICKE

Claudia Dermutz • Österreich 2015 • 13:30 min

Ein poetisch verkürzter Dialog von Roland D. Laing über eine Mann-Frau-Beziehung ist der rote Faden des Films. Wir blicken in die Fenster einer Stadtwohnung eines Paares mittleren Alters und beobachten deren Lebensalltag – ausschnitthaft, fragmentarisch, mit viel Platz für Interpretation. Statt des nicht hörbaren Originaltons stehen Gesprächsausschnitte aus „Szenen einer Ehe“ von Ingmar Bergmann, die das dokumentarhafte Bildmaterial noch zusätzlich poetisch stilisieren.

Claudia Dermutz ist Künstlerin und Filmemacherin und lebt und arbeitet in Wien und München.

claudiadermutz.de

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BACK ANDE VOR

Deborah Uhde • Deutschland 2014 • 5:30 min

Kugeln an Drahtseilen pendeln durchs Bild. Man könnte dem stundenlang zuschauen. Man ahnt: Es muss sich um den Teil einer Skulptur handeln, aufgestellt auf öffentlichem Platz. Denn aus dem Off dringen Straßengeräusche ins Bild, Kirchenglocken, Gesprächsfetzen. „I am 84 years“, sagt eine Frau. Die Zahl spricht sie deutsch aus. So geht es radebrechend weiter. Ein junger Mann aus Irland – „so ein hübscher junger Mann“, sagt die Frau – initiiert offenbar die Plauderei. Es muss Sommer sein. Man sitzt auf der Straße. Man ist aufgeräumt – alles Impressionen, die nur über den Ton vermittelt werden: Man versteht, dass Uhde neben Film auch Klang studiert.

Deborah Uhde (*1982) studierte 2009-2015 Freie Kunst an der HBK Braunschweig.

duhde.de

Literaturvorlage John D'Arcy
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WIEN SURREAL

Oleksandra Stehlik • Österreich 2013 • 2:40 min

Wien ist der Spalt zwischen Himmel und Hölle. Die Rolltreppe aquarelliert in U-Bahn-Farben von Prater bis Karlsplatz und von Rathaus bis Westbahnhof. U-Bahn-Sound versetzt eine urbane Seele in eine unterirdische Trance. Alle Hinweise, die uns die Stadt sendet, werden als Aquarellbilder ins Unterbewusstsein transferiert. Höllisch-himmlisches Wien – Endstation für jede urbane Seele, die sich hier wohlfühlt …

Oleksandra Stehlik (*1975 in der Ukraine) studierte Kunst- und Illustration in der Ukraine, bevor sie vor 10 Jahren nach Österreich kam. Ausbildung in Wien im Fachgebiet Mediengestaltung. Lebt seitdem als Filmemacherin und Illustratorin in Wien.

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