FESTIVALRESÜMEE 2015

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OPEN AIR KURZFILMFESTIVAL
Volkskundemuseum Wien & Schönbornpark
11.7.–23.8.2015

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FILMFESTIVAL FÜR MENSCHEN AB 4 JAHREN
Volkskundemuseum Wien & Schönbornpark
27.8.–6.9.2015

EIN HERZLICHES DANKE! ODER IN DEN SPRACHEN UNSERER GÄSTE: THANK YOU! GRACIAS! ΕΥΧΑΡΙΣΤΏ! MERCI! TACK! MULȚUMESC! DANK U! HVALA! KÖSZÖNÖM! OBRIGADO! شك لك !

Unsere Besucherinnen und Besucher haben noch viele Sprachen mehr gesprochen. Zum Beispiel Österreichische Gebärdensprache. Wir bedanken uns bei allen Freundinnen und Freunden, Partnerinnen und Partnern und ganz besonders bei allen Mitwirkenden von dotdotdot, die unser Pilotjahr in diesen wundervollen, spannenden, herausfordernden, anspruchsvollen, lohnenden ersten Festivalsommer verwandelt haben. Wir freuen uns bereits darauf, Sie im Juli und August 2016 wiederzusehen.

MITWIRKENDE

DIMENSIONEN EINES EXPERIMENTIERFELDES

Am 21. August haben wir mit unserem erwachsenen Publikum das Finale von dotdotdot und am 5. September mit unserem jungen Publikum das Finale von dotdotdot 4plus gefeiert. An beiden Abenden trafen vor der Leinwand arrivierte Filmemacherinnen und Filmemacher und Neo-Filmemacherinnen und -Filmemacher aufeinander. Es gab noch einen Grund zu feiern: Die Premiere der Text- und Poesiefilme, die im Rahmen der Workshopreihe von dotdotdot entstanden waren.

Acht Wochen zuvor war dotdotdot an den Start gegangen, um ein offenes Experimentierfeld für filmische und lyrische Kurzformen, für inklusive Angebote in der Filmvermittlung und für interdisziplinäre Kommunikationsräume zu entwerfen. Frei nach dem Credo von dotdotdot als Filmfestival, an dessen Ende drei Punkte stehen, sollte das Programm nicht bereits zu Beginn bis an den Rand aufgefüllt sein, sondern Leerstellen lassen, an denen sich Diskussionen entzünden und neue Formate entstehen konnten, sowie Raum lassen für kreative Prozesse und spontane Reaktionen auf das tagespolitische Geschehen.

Es bewegt es uns, dass dotdotdot so wundervolles Feedback von den Festivalgästen und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an den Filmvorführungen, Diskussionsrunden, Workshops und Festivalpicknicks erhalten hat. Auch von der Presse wurde dotdotdot wohlwollend rezipiert. Das war umso wichtiger, als der Start, zwischen den Hitzewellen und Gewitterwarnungen dieses Sommers mäandernd, Open Air gelingen sollte. dotdotdot versteht Kurzfilm als Impulsgeber, das Festival als Katalysator und Anstifter von Begegnungen. Vor allem in den Dikussionsrunden mit unseren Gästen und im persönlichen Gespräch mit unseren Besucherinnen und Besuchern hatten wir den Eindruck: Hier wird eine Idee lebendig. dotdotdot bewegt sich – und bewegt.

Wie lässt sich dieses Experimentierfeld nun vermessen? Wie könnte ein Resümee der ersten Saison aussehen?

EIN ERSTER VERSUCH: IN ZAHLEN GEGOSSEN

• 235 Kurzfilme
• 4.600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer
• 63 internationale Festivalgäste
• 48 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
• 40 Veranstaltungen, davon:
• 24 Filmscreenings mit Filmgesprächen
• 8 Film-, Poesie- und Poesiefilm-Workshops
• 8 Festivalpicknicks mit FilmemacherInnengesprächen
• 15 Veranstaltungen für Menschen ab 4 Jahren
• 20 barrierefreie Veranstaltungen für gehörlose Menschen und Menschen mit Hörbehinderungen
• 40 barrierefreie Veranstaltungen für Menschen mit Mobilitätsbehinderungen
• und ungezählte Momente der Begegnung im öffentlichen Raum und unter freiem Himmel

EIN ZWEITER VERSUCH: EINE MATERIALSAMMLUNG

Die Wochen nach dem Festival waren dem Zusammentragen, Sichten und Ordnen gewidmet. Im Lauf der acht Festivalwochen ist ein Konvolut an Bild- und Filmmaterial zusammengekommen. dotdotdot wurde nicht nur von innen und außen dokumentiert, sondern von den Besucherinnen und Besuchern fotografisch, filmisch, lyrisch und bildnerisch mitgestaltet – in Form von Text- und Poesiefilmen, Collagen, Zeichnungen und Fotoinszenierungen.

FILMARCHIV
COLLAGEN

Inputs lieferten die eigens für den Programmschwerpunkt BEYOND WORDS konzipierten Workshops, für die Protagonistinnen und Protagonisten der lokalen Szene zur Entwicklung von Workshop-Formaten an den Schnittstellen von Poesie und Bildmedien an Bord geholt wurden. Es waren durchaus Selbst- und Grenzerfahrungen, zu denen die interdisziplinären Experimente im öffentlichen Raum einluden. In die Arbeiten flossen aktuelle Themen wie Gentrifizierung und Flüchtlingskrise ein und die politische Sprengkraft von Text- und Poesiefilm wurde rasch evident.

Die WORTKETTEN-KETTENWORT-SPIELE zum Beispiel wurden zur Suche nach Begriffen, um aktuelle politische Zustände zu beschreiben. Sie funktionieren auch als Anstoß und Spielanleitung, Worte zu finden wofür einem oft die Worte fehlen. Aus der Hüfte gedichtet wurden die INSTANT-VIDEO-HAIKUS, bei denen sich die Teams gegenseitig mit Material herausforderten. Die jüngsten Workshop-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer haben ebensowenig gefackelt und in rasantem Tempo POESIEALBEN in Einzelbilder zerpflückt. Welchen Stellenwert hat Kitsch? Aber auch Fragen zu privatem und öffentlichem Raum wurden diskutiert – etwa in den collagierten Filmstills, die im Rahmen eines STUMMFILM-WORKSHOPS entstanden und auf der Lein(en)wand zu einem virtuellen Film montiert wurden.

KOZO-FOTOS
TEAMFOTOS

Eine Einladung zur Ding-Auseinandersetzung sprach die interaktive Installation CODEWORT KOZO im Rahmen des Programmschwerpunkts NO/MORE COMFORT aus. Besucherinnen und Besucher inszenierten sich nach dem Besuch der hauseigenen Komfortzone in einer mit Selbstauslöser ausgestatteten Fotobox mit Objekten, die den Alltag komfortabel machen, aus dem vom Volkskundemuseum erworbenen Sortiment der ehemaligen Haushalts- und Eisenwarenhandlung Klimesch. Mit ihrem Einfallsreichtum haben die Besucherinnen und Besucher auch das Team von dotdotdot angesteckt.

ZEICHNUNGEN

Besonderes Feedback zum Programm gab es von unseren jüngsten Besucherinnen und Besuchern. Nach den Filmvorführungen wurden die (tierischen) Stars von DOTDOTDOT 4PLUS leidenschaftlich diskutiert und in gezeichneten Porträts und Szenen verewigt. Alle Zeichnungen nahmen an einem Preisausschreiben teil – die Zeichnungen der Gewinnerinnen und Gewinner finden sich in unserem Fotoalbum.

FESTIVALFOTOS
PRESSESPIEGEL
ARTWORK

Wir bedanken uns bei allen Journalistinnen und Journalisten, Fotografinnen und Fotografen, die unsere erste Saison begleitet und dokumentiert haben und ganz besonders bei Stefanie Jörgler, die dotdotdot mit all seinen verspielten Verzweigungen in ein konzises und ansprechendes grafisches Konzept gegossen hat.

EIN DRITTER VERSUCH: DIE FORMULIERUNG EINER HALTUNG

Bei der Konzeption von dotdotdot, das im Sommer 2015 als Open Air Kurzfilmfestival die Nachfolge von espressofilm antreten sollte, war uns bewusst: Österreich, und besonders Wien, ist ein fruchtbarer Boden für Filmvermittlung. Rund 40 Filmfestivals tragen hierzulande Sorge, dass Film in seinen vielfachen Genres und Anliegen gezeigt und diskutiert wird und dass fast kein Tag vergeht, an dem nicht der Besuch eines Filmfestivals möglich ist. Dazu kommen Institutionen, Museen, Distributoren und eine Vielzahl von unabhängigen Initiativen. Sie leisten allesamt wunderbare Arbeit.

Dennoch: Es gibt Leerstellen im Bereich sozialer Inklusion, die sich auch in der hiesigen Filmfestivallandschaft auftun. Diese Leerstellen haben bei uns das Bedürfnis zu handeln geweckt. Als Vision für dotdotdot haben wir die Utopie eines inklusiven, generationenverbindenden, interdisziplinär neugierigen Filmfestivals entworfen, das durch die Auseinandersetzung mit Film Räume öffnet für kultur- und gesellschaftskritischen Diskurs. Die Teilhabe an diesem Diskurs muss allen Menschen, unabhängig von individuellen Fähigkeiten, ethnischer wie sozialer Herkunft, Geschlecht oder Alter, barrierefrei möglich sein. Wir haben dazu folgende Gedanken formuliert:

• Wir möchten ein Filmfestival gestalten, das den in der Kulturpolitik vielfach strapazierten Begriffen „Partizipation“, „Inklusion“ und „Diskurs“ Schritt für Schritt konkrete Aktionen entgegensetzt, die sie – so die Utopie – irgendwann obsolet machen.

• Wir sind bereit, ein Filmfestival zu verantworten, das sich nicht scheut, gesellschaftspolitische Themen aufs Tapet zu bringen, den Status Quo in Frage zu stellen und Stellung zu beziehen.

• Wir möchten Begegnungen anstiften – Begegnungen untereinander und die Begegnung mit dem Fremden, dem Unbekannten, von der wir nur profitieren können.

• Nicht zuletzt: Wir möchten das Format Kurzfilm auf diese Punkte hin herausfordern und Filmemacherinnen und Filmemacher fördern, die dem kurzen Format alles abverlangen und ihm Ecken und Kanten verpassen. Wir möchten Filme in den Fokus rücken, die formale, inhaltliche und ästhetische Risiken eingehen, eingeschriebene Codes hinterfragen und den Möglichkeitsraum Film ausloten.

WAS WAR UND WAS KOMMT

Wir schätzen uns glücklich, dass wir durch die Zusammenarbeit mit Partnerinnen und Partnern, die von der Dringlichkeit der von uns formulierten Anliegen ebenso überzeugt sind, in unserem Pilotjahr erste Maßnahmen realisieren und eine erste „Fassung“ von dotdotdot anbieten konnten, die sich der Utopie eines für alle Menschen barrierefreien, inklusiven, generationsübergreifenden, interdisziplinär neugierigen Filmfestivals annähert.

Ausgehend vom frei wählbaren Eintritt und generationenübergreifenden Angeboten – auch das bedeutet für uns Barrierefreiheit –, ist es gelungen, als erstes Filmfestival in Österreich schwerpunktmäßig Angebote für BARRIEREFREIES KINO für Menschen mit Behinderungen zu etablieren, um mehr Menschen über den Film miteinander ins Gespräch zu bringen. Rund um die Filmvorführungen öffneten sich Kommunikationsräume: Diskussionsrunden im Anschluss an alle Screenings, Workshopzonen und nicht zuletzt der Gastgarten des Volkskundemuseums und die Festivalpicknicks im Schönbornpark für informelle Begegnungen mit den Festivalgästen, dem Festivalteam und anderen Besucherinnen und Besuchern.

Für gute Gespräche ist eine offene und kommunikative Atmosphäre wichtig. Vor allem durch die Partnerschaft mit der Josefstadt, die dotdotdot als Hauptfördergeberin unterstützt, war es möglich, ein starkes Netzwerk mit den Anrainerinnen und Anrainern, Nachbarinnen und Nachbarn, Partnerinnen und Partnern, Künstlerinnen und Künstlern in unserem Grätzel aufzubauen und sie auf allen Ebenen in das Festival einzubeziehen.

Das VOLKSKUNDEMUSEUM ist für dotdotdot nicht nur Festivalzentrum, sondern Quelle für Inspiration, Wissensaustausch und Kollaboration. Inhaltliche Querverweise, Verknüpfungen und Kommentare ziehen sich durch das Programm von dotdotdot und machen es lebendig an einem Ort, an dem historische und gegenwärtige Alltagskultur progressiv und deren Vermittlung offen gedacht wird. Die Programmschwerpunkte der heurigen Saison BEYOND WORDS bzw. NO/MORE COMFORT bezogen sich explizit auf die parallel zum Festival laufenden Sonderausstellungen.

Beide Programmschwerpunkte waren interdisziplinär konzipiert und international kuratiert. Grenzgänge zogen sich als Leitmotiv durchs Programm. Im Rahmen von BEYOND WORDS gelang es erstmals, Protagonistinnen und Protagonisten der internationalen Poesiefilmszene zu einem mehrtägigen Vernetzungstreffen in Wien zusammenzuführen. Die begleitenden Workshops ließen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern viel Raum für individuelle Erfahrungen und das Ausloten des politischen Potentials des Poesiefilms. Die Komfortzonengespräche von NO/MORE COMFORT, zu denen unter anderem Aktivistinnen und Aktivisten von ZARA, Afrique-Europe-Interact, FragNebenan, den Aktiven Arbeitslosen und den Big Brother Awards stießen, die in Österreich Zeichen und Aktionen setzen, ließen Raum für spontane Reaktionen auf aktuelle politische Ereignisse.

Weil Kurzfilm nicht nur Erwachsenen jede Menge Gesprächsstoff liefert, ging dotdotdot in den letzten beiden Ferienwochen mit Film- und Workshop-Programm für Menschen ab 4, ab 7 und ab 10 Jahren in die Verlängerung. DOTDOTDOT 4PLUS ist das erste Filmfestival in Österreich, das schwerpunktmäßig internationale Kurzfilmproduktionen für Kinder aufbereitet und zeigt, und fügt sich als schöne Ergänzung – zwischen den video&filmtagen, die im Oktober Kurzfilme von Kindern und Jugendlichen zeigen, und dem Kinderfilmfestival, das sich im November auf Langfilme für Kinder konzentriert – in die heimische Filmfestivallandschaft ein. dotdotdot 4plus war auf Anhieb ein großer Publikumserfolg und wird uns im nächsten Jahr darum den ganzen Sommer über begleiten.

Nach diesem gelungenen Start wird die kommende Saison von dotdotdot im Juli und August 2016 dem Weiterdenken und Weiterbauen der im Pilotjahr etablierten Schwerpunkte gewidmet sein. Alles wird tanzen, wenn wir unsere Untersuchungen der Schnittstellen von Kurzfilm und Kurzformen anderer Kunstgattungen fortsetzen. Barrierefreies Kino kann ein Upgrade vertragen – und ist ebenso tanzbar. Und Teilhabe wird einen Schritt weiter gedacht werden, indem das Festival um ein neues Format erweitert wird: Unsere Besucherinnen und Besucher werden Programm machen. Sie dürfen sich also schon auf Mitarbeit einstellen. Wir freuen uns auf Sie.